Bekannte Erbgänge beim Aussie:

Die Erbinformationen (Gene) jedes Lebewesens befinden sich auf den Chromosomen im Zellkern.
Alle höheren Lebewesen besitzen Chromosomen paare , d. h. jedes Chromosom kommt doppelt vor.
(Hunde haben z. B. 39 Chromosomenpaare).

Bei der Bildung von Geschlechtszellen trennen sich die Chromosomenpaare, so dass jede Ei- oder
Samenzelle nur einen einzelnen Chromosomensatz besitzt. Durch die Verschmelzung der Kerne von
Ei- und Samenzelle bei der Befruchtung entsteht wieder ein Chromosomenpaar. Somit bekommt der
Nachwuchs von jedem Elternteil jeweils die Hälfte der genetischen Informationen.

Als Gene bezeichnet man Abschnitte auf den Chromosomen, welche bestimmte Funktionen oder
Merkmale codieren (z. B. die Augenfarbe). Die Gene eines Chromosomenpaares sind zwar homolog
(identische Codierung), sie können sich aber in ihrer Ausprägung bzw. ihrem Zustand unterscheiden.
Diese verschiedenen Ausprägungen von Genen bezeichnet man als Allele . Das bedeutet, dass zwar
immer ein und dasselbe Gen auf den Chromosomen die Augenfarbe codiert, aber je nach Ausprägung
des Gens bzw. seines Allels kommen so die unterschiedlichen Augenfarben zustande.

Die Vererbungslehre unterscheidet zwischen dominanten und rezessiven Allelen.
Dominante Allele werden mit Großbuchstaben gekennzeichnet, rezessive Allele werden klein
geschrieben. Ist ein Allel eines Allelpaares dominant, so tritt das zweite (rezessive) Allel bei der
Merkmalsausprägung nicht in Erscheinung. Rezessive Allele müssen also immer doppelt vorhanden
sein, damit die Merkmale welche sie codieren sichtbar werden.

Die Gesamtheit der Erbanlagen eines Lebewesens bezeichnet man als Genotyp .
Der Phänotyp ist das Erscheinungsbild eines Individuums, welches aus dem Zusammenwirken von
Genotyp und Umwelteinflüssen resultiert.

Sind die Genotypen der Eltern bekannt, kann man daher z. B. errechnen welche Farben (Phänotypen) bei einem Wurf (theoretisch) fallen werden.

Die Kenntnis des Genotyps eines Lebewesens hat eine große Bedeutung bei der Verhinderung von
Erbkrankheiten. Während Krankheiten mit einem dominanten Erbgang sofort sichtbar werden und
erkrankte Tiere aus der Zucht genommen werden können, lassen sich rezessive Defekt-Allele jedoch
nicht so schnell erkennen, da sie über Generationen hinweg einzeln und somit verdeckt weitergeben
werden können. In diesem Fall tritt eine Krankheit erst dann auf, wenn bei einer Anpaarung beide
Eltern das Defekt-Allel besitzen und es beim Nachwuchs doppelt vorhanden ist.

Bei einigen rezessiv vererbten Krankheiten (z. B. CEA) sind die verantwortlichen Allele inzwischen bekannt und es besteht die Möglichkeit sie durch genetische Untersuchungen nachzuweisen.


Ein Beispiel   ein Elterntier gemerlt ( M m )      anderes Elternteil uni  ( m m )


theoretisch 50% der Welpen gemerlt ( M m )                  50% uni  (m m )

 

Vererbung der Farbe:

A - black/red (keine Abzeichen)
a(t) - kupferfarbene Abzeichen

B- black (Fellfarbe)
b- red

D - black/red
d - dilute (z.B. gelb statt rot / blausilber statt schwarz)

M- Merle
m-black/red

S - black/red (keine Abzeichen)
s(i) - weiße Abzeichen

z.B. so sieht der Gensatz eines Black/tri nicht red factored aus
a(t) a(t)    B B     D D     m m     s(i) s(i)

A A keine Abzeichen B B Fellfarbe schwarz
A a(t) keine Abzeichen aber Träger B b Fellfarbe schwarz aber Rotträger
a(t) a(t) kupferfarbene Abzeichen b b Fellfarbe rot

D D Fellfarbe schwarz/rot M M reinerbiger Merle Fellfarbe überwiegend weiß
D d Fellfarbe schwarz/rot aber Träger M m gemerlter Hund
d d dilute /z.B. geld statt rot/blausilber statt schwarz m m Fellfarbe schwarz oder rot uni

S S keine Abzeichen KK a(t)a(t) kupferfarbene Abzeichen
S s(i) keine Abzeichen aber Träger Kk a(t)a(t) kupferfarbene Abzeichen
s(i) s(i) weiße Abzeichen kk a(t)a(t) Ausprägung der kupferfarbenen Abzeichen wird unterdrückt

 

CEA Collie Eye Anomalie

autosomal rezessiver Erbgang (nicht an das Geschlecht gebundenes Gen)

CEA erkrankter Hund      cea   cea
CEA Träger                          cea   FREI
CEA frei                                FREI FREI

cea   cea erkrankter Hund
cea   FREI keine CEA aber Träger
FREI  FREI keine CEA kein Träger

Keinesfalls sollten zwei CEA-Träger miteinander verpaart werden, da die statistische Wahrscheinlichkeit für CEA-befallene Nachkommen 25% beträgt.

 

PRA generalisierte Progressive Retina Atrophie

autosomal rezessiver Erbgang (nicht an das Geschlecht gebunden)

PRA erkrankter Hund      pra  pra
PRA Träger                          pra  FREI
PRA freier Hund               FREI FREI

pra   pra erkrankter Hund
pra   FREI kein PRA aber Träger
FREI FREI kein PRA kein Träger


Hereditary Cataract in Australian Shepherds - HSF4-Test

Es wird ein Zusammenhang zwischen einer Mutation des HSF4-Gens und der Entstehung bestimmter Formen erblicher Katarakte vermutet. Ob ein Hund ein oder zwei Kopien dieser Mutation trägt kann mit einem Test nachgewiesen werden.
Die Aussagekraft dieses Tests ist jedoch sehr umstritten, da es einerseits Hunde gibt, die eine oder zwei Kopien der Mutation tragen und trotzdem bis ins hohe Alter gesund bleiben, und andererseits auch bei HSF4-"frei" getesteten Hunden erbliche Katarakte auftreten können.
Unter der Leitung von Cathryn S. Mellersh (Animal Health Trust, UK) wurde eine Studie über die HSF4-Mutation in Verbindung mit Katarakten durchgeführt (veröffentl. Veterinary Ophthalmology (2009) 12).
Leider ist die Studie nicht sehr aussagekräftig, was aber auch an der geringen Zahl der untersuchten Hunde liegen mag




MDR1 Defekt - Multidrug Resistenz


autosomal rezessiver Erbgang (nicht an das Geschlecht gebunden)

( - / -) Hund mit MDR1 Gendefekt (es ist besondere Vorsicht bei Medikationen geboten)
( + / -) kein MDR1 Defekt, aber Träger des Genes
(+ / +) kein MDR1 Defekt kein Träger


copyright Astrid Wittenberg und Mawischi